Verlassen, aber nicht vergessen

Kaufhaus Totschek Görlitz

Lost-Place-Tour in Görlitz … und eine kleine Überraschung

Vor schon recht langer Zeit entdeckte ich bei Facebook eine Veranstaltung mit dem Namen „Görlitz Lost Places Foto-Tour“ gestoßen. Als Freund verlassener Gebäude war mein Interesse geweckt. Schon der Fakt, mal ungestört und vollkommen legal durch Lost Places stromern zu können, war mir den Unkostenbeitrag wert. Eine Mitstreiterin war mit Doreen auch schnell gefunden. Zur Auswahl standen 4 Objekte in Görlitz: das Freisebad, das Kaufhaus Totschek, die alte Tuchfabrik (bzw. VEB Kondensatorenwerk) und das Hotel Vier Jahreszeiten. Zwei davon konnten für den Besuch ausgewählt werden. Nach kurzer Recherche waren wir uns über unsere Wünsche einig. Die Tuchfabrik sah uns schon etwas zu zerstört und leergeräumt aus, fiel deswegen aus der Auswahl. Das Hotel besticht durch eine etwas seltsam anmutende Innenarchitektur, welche am besten als eine Mischung aus Art Deco und sozialistischem Pragmatismus beschrieben werden kann. War auch nicht so ganz unser Ding. Blieben noch das Freisebad und das Kaufhaus Totschek übrig. Unsere Wahl war in jedem Fall ein Volltreffer.

Die erste Station am Morgen war das Kaufhaus Totschek in der Steinstraße, von dem ich vor unserem Ausflug noch nie gehört hatte. Wird es doch vom großen Warenhaus vollkommen überstrahlt. Zu Unrecht, wie ich anmerken muss. Natürlich ist es nicht so pompös und gewaltig, aber es hat seinen Charme. Seine wechselhafte Geschichte lässt sich zwar nur noch erahnen, dennoch zeigt es ein völlig anderes Görlitz. Beschaulicher, kleiner, nicht das große, weltstädtische Görliwood wie in „The Grand Budapest Hotel“. Trotz oder gerade deshalb war es wohl auch Drehort für „Es war einmal in Deutschland …„. Während wir das Kaufhaus erkundeten, fielen mir die vielen verschiedenen Türen auf. Sie waren wie gemacht für eine kleine Fotoserie.

Im Kaufhaus hatte ich fast ausschließlich Schwarzweiß-Fotos vor Augen. Deswegen habe ich dort dann auch fast gänzlich auf den Einsatz von einem Farbfilm verzichtet. Im Nachhinein betrachtet war das eine gute Entscheidung, wenngleich ich beim Betrachten von Doreens Fotos doch ein wenig ernüchtert über meine mangelnde Fantasie war. Ihr ging es beim Betrachten meiner Fotos umgekehrt auch so. Das zeigt wieder, dass wir uns nicht vergleichen, sondern vielmehr am Schaffen der anderen erfreuen sollten. Jeder hat seine Sichtweisen und das ist auch gut so, so gibt es statt fadem Einheitsbrei eine bunte Vielfalt. Dennoch würde ich das Kaufhaus gern noch einmal besuchen und dort fotografieren. Dessen Leere schafft Raum für Kreativität und ist ideal für eine minimalistische Bildsprache.

Das ganze Gegenteil davon bildet die zweite Station, das Freisebad. Es besticht durch seine wilhelminische Architektur, die vor allem im Therapie-Bereich zutage tritt. Genau dieser Teil des Bades, heute würde man Wellness-Bereich sagen, war einer der Drehorte für den oben bereits erwähnten Film „The Grand Budapest Hotel“. Die Vielfalt der möglichen Motive war etwas zu viel des Guten, weshalb ich keine klare Idee für die Fotos entwickelt habe. Stattdessen fotografierte ich wild drauf los. Zudem waren wir im Bad nicht allein und einer der Teilnehmer störte meine meditative Ruhe beim Fotografieren durch die nervigen Pieptöne seiner Kamera. Ich versteh nicht, warum man diese markdurchdringenden Töne nicht abschaltet. Das war bei meinen Digitalkameras immer das Erste, was ich gemacht habe. Egal, er hat nicht nur mich genervt. Entsprechend meiner dortigen Art zu fotografieren, ist das Verhältnis zwischen aufgenommenen und vorzeigbaren Fotos nicht ganz so prickelnd.

Zudem ist das Bad vor allem im Erdgeschoss dunkel, sehr dunkel. Seine Fenster wurden aus gutem Grund sprichwörtlich vernagelt. Die Dachverglasung lässt auch nur einen spärlichen Schein von Licht ins Gebäude fallen, Laub, Schmutz und zunehmends wachsendes Moos sorgen für eine natürliche Verdunklung. Kurzum, Licht war Mangelware. Ein bisschen konnte ich das durch lange Belichtungszeiten ausgleichen, jedoch nicht vollständig. Ein bisschen Pepp fehlt einfach. Dennoch war auch das Freisebad interessant und besuchenswert.

Bonus

Wie eingangs bereits angeklungen, fotografiert auch Doreen mittlerweile und das auch wirklich gut. Im Kaufhaus war ich dann Mode, mich vor ihre Kamera zu begeben. Ein klassischer Rollentausch, wenn man so will. Es wäre schade, die Fotos nicht zu zeigen.

Und als krönenden Abschluss noch zwei tolle Selfies von uns beiden 😉

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