Ein Shooting in zwei Teilen

Letztes Jahr war ich mit Julia, einem Model aus Leipzig, unterwegs. Wir hatten uns einiges vorgenommen; erst Fotos in einem Lost Place bei Dresden und anschließend noch völlig andere Bilder in einem Hotel in Radebeul zu machen. Gedankenschwere und Leichtigkeit, so in etwa sollte die Bandbreite sein.

Die erste Station war wie schon erwähnt ein Lost Place. Dort war ich vor einiger Zeit auch mit Doreen schon einmal und mag es dort ganz gern. Zu Beginn gingen wir direkt auf den Dachboden und legten nach einer kurzen Orientierungsphase los. Wie das immer so ist, dauerte es ein kleines Bisschen, bis wir uns aufeinander eingeschossen hatten. Danach kamen die Ideen und auch die Lockerheit. Letzteres bedeutet jedoch nicht, dass nur beschwingt-leichte Fotos entstanden. Nein, ganz im Gegenteil, sie sind teilweise sehr schwer, melancholisch und emotional.

Nachdem es auf dem Dachboden langsam zu warm wurde, stiegen wir wieder hinab und gingen in die große Halle. Dort hatten wir etwas besonderes vor, wir wollten mit Körperfarbe arbeiten. Das war für uns beide Neuland und war, um es kurz zu machen, eine ziemliche Sauerei. Diese Farbe ist sehr dünnflüssig, trocknet aber auch schnell. Also läuft sie in jede Pore und bleibt dann auch dort, bis man sie gründlich abwäscht. Da sie jedoch so schnell verläuft, lässt sie sich nur bedingt gezielt verteilen. Ist sie einmal auf der Haut, ist eine Korrektur so gut wie ausgeschlossen.

Da wir noch ein wenig Zeit hatten, liefen wir umher und machten noch an ein paar anderen Stellen Fotos. Diese waren dann schon leichter und waren mehr oder weniger der Auftakt für die Fotos im Hotel.

Im Hotel in Radebeul angekommen, duschte sich Julia erstmal diese hartnäckige Farbe ab und machte sich frisch. Währenddessen bereitete ich im Zimmer alles für die nächsten Fotos vor. Man mag es kaum glauben, aber so ein Hotelzimmer kann durchaus ganz schön dunkel sein, wenn man nur eine Fenstertür als Lichtquelle hat und diese sich auch noch in Richtung des Fußende des Bettes befindet.

Unsere Ideen für das Hotelzimmer waren vollkommen anders als die für den Lost Place, doch auch sie waren nicht unbedingt der Inbegriff der Leichtigkeit. Einfach nur Bilder einer schönen Frau zu machen, ist sowieso nicht so meins und mir zu oberflächlich. Julia sah das genauso, weswegen jedes Foto auch möglichst eine tiefere Ebene besitzt.

Der Tag mit Julia verging rasend schnell und war ein voller Erfolg. Nach dem Shooting stand für mich noch einiges an Arbeit an, die Filme wollten entwickelt und gescannt werden. Einmal mehr zeigte sich, was für ein toller Film der Ilford Delta 3200 ist, vor allem in Ilfords DD-X-Entwickler, der speziell für die Delta-Filme gedacht ist. (Finger weg von Rodinal bei Flachkristallfilmen, wie den Deltas von Ilford, den Tmax‘ von Kodak oder dem Fuji Acros, da diese Kombination nur bedingt harmoniert.) Im Kleinbildformat habe ich jedoch auf den Kodak Tmax P3200 gesetzt, da ich ihn noch etwas besser finde und immer noch hoffe, dass Kodak ihn irgendwann mal als Rollfilm konfektioniert.

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