Ein Künstler bei der Arbeit

Kunst. Was ist Kunst? Diese recht philosophische Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Doch was sich allgemein festhalten lässt, ist die Tatsache, dass sich die Vorstellung, was Kunst ist, über die Jahre verändert. Was im 19. Jahrhundert als Spielerei untalentierter Menschen abgetan wurde, ist spätestens im zweiten Drittel des 20. Jahrhundert endgültig als Kunst anerkannt worden. Gemeint ist nichts anderes als die Fotografie. Auch der Kulturkreis spielt eine Rolle. Was im asiatischen Raum als Kunst angesehen wird, kann in der westlichen Hemisphäre durchaus noch mit einem Naserümpfen quittiert werden.

So verhält es sich auch mit der Körperkunst. Tattoos werden leider teilweise immer noch von einigen Menschen stigmatisiert. „Wer sowas hat, war entweder bei der Marine oder im Knast.“ Das ist schlicht und einfach Unsinn. Der moderne Tätowierer ist kein Maat oder Knastbruder, nein, er oder sie ist ein Künstler, die Haut ist die Leinwand. Statt Pinseln kommen Nadeln zum Einsatz. Und wie bei Malern, Bildhauern, Fotografen und Musikern gibt es natürlich auch unter den Tätowierern die ganze Bandbreite vom Meister seines Fachs bis zum absoluten Stümper.

Willi zählt in meinen Augen zu den Meistern. Ihm durfte ich bei Black Lemon in Dresden über die Schulter schauen, als er ein neues Meisterwerk, ein großformatiges Seepferdchen, unter Doreens Haut gebracht hat.

Eine Idee wurde zur Vorlage und die wiederum durch viele kleine Nadelstiche zum Tattoo. Natürlich gehört da noch viel mehr dazu. Die Vorbereitung dauert seine Zeit und der eigentliche Akt des Tätowierens selbstverständlich auch. Raum für Fehler gibt es eigentlich nicht, gestochen ist gestochen.

Da sowohl Doreen als auch ich absolute Analogfans sind, hatte ich meine Lieblings-Nikon dabei, die FM2. Zusammen mit dem 50mm f/1.2 Nikkor und dem Kodak Tmax P3200 war ich gerüstet für schummriges Licht. Meine Wahl war perfekt. Nicht, dass Willi im Dunklen tätowieren würde. Er macht sich schon richtig Licht, aber eben auch nur für sich und seinen Arbeitsplatz. So konnte ich sehr stimmungsvolle Bilder von ihm bei der Arbeit einfangen.

Willi ist ganz nebenbei noch ein echt feiner Kerl, der demnächst wieder vor meiner Kamera auftauchen wird. Ich werde im Gegenzug bei ihm …

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