ORWO NP27

Orwo NP27, Zeiss Ikon Ikonta 520/2

Nachdem ich vom Orwo NP20 ziemlich begeistert war, kam sein empfindlicheres Pendant aus dem Hause Orwo an die Reihe, der NP27. Er ist ein nomineller ISO400-Film, der jedoch nach um die 30 Jahren nach Ablauf natürlich nicht mehr auf diese Empfindlichkeit kommt. Meine Exemplare sind alle bereits zwischen 1988 und 1991 abgelaufen und wurden nicht unbedingt unter perfekten Verhältnissen gelagert. Dennoch ist der NP27 ein interessanter Film und von der Charakteristik vollkommen anders als der NP20.

Was dem NP20 fehlt, hat der NP27 ziemlich reichlich zu bieten: Korn. Nach der langen Zeit stiefmütterlicher Lagerung ist das aber auch kein Wunder. Auch einen enormen Grundschleier, der die Negative fast komplett schwarz anmuten lässt, zeichnet meine bisher belichteten NP27 aus. Scannen lassen sie sich dennoch gut und was da am Ende rauskommt, ist durchaus nett anzusehen. Perfekte Fotos habe ich nicht erwartet und auch nicht bekommen, dafür aber Fotos mit einem schönen, eigenen Charakter. Körnig, fleckig und doch scharf und kontrastreich. Ungeschliffen und roh, das passt für so einige Motive und muss nicht schlecht sein. Vor allem bei detailreichen Fotos fällt das Korn kaum auf, eher bei eigentlich gleichmäßig getonten Flächen, wie z.B. Himmel. Hier zeigt sich auch wieder, warum digital eingefügtes, gaußverteiltes Korn niemals echtes Filmkorn ersetzen kann. Filmkorn ist wirklich zufällig und nicht berechenbar. Genau das macht es so angenehm für das Auge.

Die große Frage lautet bei so einem alten Film immer, wie belichte ich ihn richtig? Es ist hier wie beim Backen und Kochen; ein Rezept ist gut, Probieren und nach Gefühl arbeiten ist besser. Ein Richtig oder Falsch gibt es da eigentlich nicht. Vielmehr ein „funktioniert“ und ein „funktioniert nicht“ mit einer relativ großen Bandbreite dazwischen. Aus diesen Möglichkeiten muss sich jeder nach seinem eigenen Geschmack das Richtige heraussuchen. Ich für meinen Teil belichte den NP27 auf ISO100 bis 200 und überentwickle ihn recht stark. Mit homöopathischen Dosierungen kommt man bei so einem alten Film nicht weit. Viel hilft viel ist hier eher die Devise, denn ein Negativ sollte lieber etwas zu dicht als zu dünn sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob später gescannt oder klassisch vergrößert werden soll.

Ich entwickle den NP27, wie auch schon den NP20, in Kodak HC-110, Verdünnung B (1+31, 13:30 min). Auch in Tetenal Ultrafin (1+11,5, 17:30 min) habe ich ihn schon entwickelt und damit gefällt er mir ebenso gut. Sowas ist, wie oben bereits erwähnt, natürlich Geschmackssache und muss jeder für sich selbst herausfinden.

Der NP27 ist ein toller Film, auch in seinem abgelaufenen Zustand, wenn man ihn da einsetzt, wo seine speziellen Eigenschaften passen. Mit dem Ilford HP5+ oder Kodak Tri-X 400 darf man ihn nicht vergleichen, das wäre nicht fair. Er fällt eher in die Kategorie der Kreativfilme von Lomo. Setzt man ihn richtig ein, wird man große Freude an ihm haben. Nutzt man ihn bei allen Gelegenheiten, wird man meine positive Einschätzung für völligen Unsinn halten.

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